Kein Eberhofer, kein Kluftinger: Warum das Kommissariat 13 anders funktioniert

Ein Bayer ist noch lange kein Eberhofer: Warum meine Krimis keine gewöhnlichen Heimatkrimis sind

Regionalkrimi, Alpenkrimi, Mysterythriller? Wer meine Reihe Kommissariat 13 in eine der üblichen Schubladen stecken möchte, wird früher oder später feststellen, dass sie nicht so recht hineinpasst. Das ist durchaus beabsichtigt.

Wer einen Kriminalroman schreibt, der in Oberbayern spielt, bekommt beinahe zwangsläufig irgendwann dieselben Vergleiche zu hören. Eberhofer, Kluftinger und Konsorten lassen grüßen. Als 2021 der erste Fall des Kommissariats 13 erschien, meinte ein Testleser, Alexander Rindler erinnere ihn ein wenig an den Eberhofer. Vermutlich war das als Kompliment gedacht. Ich empfand es als glatte Beleidigung. Nicht, weil ich den Erfolg solcher Reihen schlechtreden will. Sie bedienen ein bestimmtes Publikum und haben zweifellos ihre Berechtigung. Nur haben sie mit dem, was ich schreibe, herzlich wenig gemeinsam.

Natürlich gibt es oberflächliche Ähnlichkeiten. Alex ist Bayer, spricht Dialekt, hat eine ausgesprochen direkte Art und nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Damit enden die Gemeinsamkeiten allerdings auch schon. Alex ist kein liebenswerter Dorfpolizist, dessen Schrullen für gemütliche Unterhaltung sorgen. Er ist ein schwieriger Mensch. Aufbrausend, unbeherrscht, mitunter verletzend und gesellschaftlich ungefähr so kompatibel wie ein Wildschwein auf einer Gartenparty. Man könnte ihn als schlecht integrierten Bayern in Bayern bezeichnen. Dass Leser trotzdem über ihn lachen, freut mich. Tatsächlich haben mir schon einige erzählt, sie hätten sich bei bestimmten Szenen regelrecht kaputtgelacht. Nur ist Alex deshalb noch lange keine komische Figur im klassischen Sinn.

Sein Humor entsteht aus seiner Persönlichkeit und aus dem Zusammenprall mit seiner Umwelt. Er kann in einem Moment für schallendes Gelächter sorgen und im nächsten eine Grenze überschreiten, bei der einem das Lachen vergeht. Und genau so soll es sein.

Die schöne Heimat? Von wegen!

Oberbayern ist eine wunderschöne Region. Berge, Seen, Wälder, historische Ortschaften und eine Landschaft, die andernorts ganze Tourismusprospekte füllt. Für viele Regionalkrimis ist diese Kulisse ein wesentlicher Bestandteil ihres Reizes. Der Leser erkennt bekannte Orte wieder, begegnet vertrauten Eigenheiten und darf sich zwischen Mord und Ermittlung ein wenig heimisch fühlen. Im Kosmos des Kommissariats 13 funktioniert das anders. Die Alpenidylle ist vorhanden. Nur ist sie keineswegs so heil, wie sie auf den ersten Blick erscheint.

Hinter den Fassaden verbergen sich Geheimnisse, Verbrechen und menschliche Abgründe. Alte Überlieferungen werfen Fragen auf, die sich mit gesundem Menschenverstand nicht immer beantworten lassen. Und manchmal wird aus einem scheinbar gewöhnlichen Kriminalfall etwas, das weit über die Vorstellungskraft der Beteiligten hinausgeht. Ich möchte die Heimat nicht verklären. Ich möchte zeigen, dass auch die schönste Landschaft keine Garantie für eine schöne Wirklichkeit ist. Dabei geht es mir nicht darum, Oberbayern schlechtzumachen. Im Gegenteil: Gerade die Vertrautheit der Schauplätze macht das Unheimliche besonders wirkungsvoll. Ein dunkler Wald kann schließlich noch ein bisschen unheimlicher wirken, wenn man ihn kennt.

Oberbayern ist der Ausgangspunkt, nicht die Grenze

Ein weiterer Unterschied liegt im geografischen und thematischen Horizont der Reihe. Viele klassische Regionalkrimis konzentrieren sich auf einen überschaubaren Raum. Lokale Verbrechen, alte Familienfehden, Dorfgeheimnisse und regionale Befindlichkeiten bilden den Kern der Handlung. Das kann hervorragend funktionieren. Mich persönlich bringt es eher zum Gähnen. Das Kommissariat 13 ist zwar in Oberbayern verwurzelt, doch die Fälle reichen weit über die Region hinaus. Bereits in Spur durch die Zeit führen die Ermittlungen nach Argentinien. Die Lade vom Untersberg greift eine regionale Legende auf, deren mögliche Bedeutung weit über die Alpen hinausreicht. In Fracht der Finsternis führt die Spur bis ans Mittelmeer. Die Fälle bewegen sich zwischen historischen Rätseln, ungewöhnlichen Technologien, menschlichen Abgründen und internationalen Verflechtungen.

Die Welt endet eben nicht am Ortsschild. Lars Bergener und Alexander Rindler sind keine Ermittler, die ausschließlich im eigenen Landkreis nach dem nächsten Mörder suchen. Ihre Arbeit führt sie dorthin, wo die Spuren hinführen. Und manchmal liegen zwischen dem Ausgangspunkt eines Falls und seiner Auflösung einige Tausend Kilometer. Oberbayern bleibt dabei ihr Zuhause. Aber es ist nicht der Mittelpunkt des Universums.

Wenn schon kein Eberhofer oder Kluftinger: Gibt es dann überhaupt Parallelen?

Wenn ich nach filmischen oder literarischen Verwandtschaften gefragt werde, fallen mir spontan zwei Fernsehserien ein, die dem Konzept von K13 wesentlich näherkommen als die üblichen bayerischen Krimikomödien. Die erste ist True Detective, insbesondere deren erste Staffel. Mich fasziniert daran nicht nur die Mischung aus düsterer Atmosphäre und Cold Case, sondern auch das Zusammenspiel zweier grundverschiedener Ermittler. Rust Cohle und Marty Hart sind keine makellosen Helden. Sie tragen ihre persönlichen Widersprüche und Abgründe mit sich herum. Ihre Beziehung ist ebenso wichtig wie der Fall, an dem sie arbeiten. Auch bei Lars und Alex geht es um mehr als gemeinsame Polizeiarbeit. Ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten erzeugen Konflikte, die nicht immer mit einem freundschaftlichen Schulterklopfen aus der Welt geschafft werden können.

Die zweite Parallele ist Akte X. Nicht, weil bei K13 hinter jedem Baum ein Außerirdischer lauert, sondern weil ich mich für Geschichten interessiere, die an den Grenzen des Erklärbaren spielen. Alte Legenden, historische Rätsel, wissenschaftliche Grenzbereiche und ungewöhnliche Phänomene bieten einen nahezu unerschöpflichen Fundus an Möglichkeiten. Allerdings wollte ich nie eine abgehobene Mysteryserie schreiben. Im Mittelpunkt stehen weiterhin Verbrechen und deren Aufklärung, sowie teils nüchterne Polizeiarbeit. Das Ungewöhnliche ist Teil der Handlung, nicht bloß eine dekorative Zugabe. Und anders als bei Mulder und Scully gibt es bei K13 mit Alex jemanden, der selbst der ehrfurchtgebietendsten Erscheinung vermutlich noch einen unpassenden Kommentar hinterherrufen würde.

Nicht jeder Fall muss gleich sein

Ein wesentliches Merkmal der Reihe ist ihre thematische Offenheit. Ich will nicht zehnmal dieselbe Geschichte mit anderen Opfern erzählen. Deshalb unterscheiden sich die einzelnen Fälle teilweise erheblich voneinander. Mal stehen historische Geheimnisse im Vordergrund, mal regionale Legenden, mal ausgesprochen menschliche Grausamkeiten. Die Grenzen zwischen Kriminalroman, Thriller und Mystery dürfen dabei durchaus verschwimmen. Das verbindende Element sind die Ermittler und die Welt, in der sie sich bewegen.

Lars und Alex entwickeln sich weiter. Ereignisse hinterlassen Spuren. Entscheidungen haben Folgen. Was in einem Band geschieht, ist im nächsten nicht einfach vergessen. Wer die Reihe über mehrere Bücher begleitet, soll nicht nur neue Fälle erleben, sondern auch die Menschen dahinter immer besser kennenlernen. Dazu gehört, dass diese Menschen Fehler machen. Mitunter schwerwiegende.

Und in welche Schublade gehört K13 nun?

Eine berechtigte Frage. Schließlich muss ein Buch im Handel irgendwo eingeordnet werden. Dass es kein Eberhofer-Abklatsch ist, sollte ja inzwischen geklärt sein. Regionalkrimi? Ja, durchaus. Die regionale Verwurzelung ist unverkennbar. Alpenkrimi? Ebenfalls richtig. Mysterythriller? Trifft auf manche Fälle zu, auf andere weniger. Düsterer Kriminalroman? Damit kommen wir der Sache schon näher.

Am ehesten würde ich Kommissariat 13 als genreübergreifende Mystery-Krimireihe mit regionalen Wurzeln bezeichnen. Das klingt vielleicht etwas sperrig, beschreibt aber ziemlich genau, was ich schreibe. Wer gemütliche Mordfälle, schrullige Dorfpolizisten und eine Portion bayerische Wohlfühlatmosphäre sucht, wird mit K13 möglicherweise nicht glücklich. Wer dagegen düstere Ermittlungen, ungewöhnliche Rätsel, widersprüchliche Charaktere und rabenschwarzen Humor mag, könnte hier durchaus fündig werden.

Und wer Alex Rindler kennenlernt, sollte eines wissen: Der Mann ist Bayer durch und durch. Nur gesellschaftsfähig ist er deshalb noch lange nicht.

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