Die Gen Z hat die Schnauze voll. Warum eigentlich?

Ein Kommentar, der nicht gefallen will, zur aktuellen Entwicklung mit der Gen Z. Verfasst von einem Xennial: Alt genug, um die Versprechen von damals zu kennen, und jung genug, um die Folgen noch jahrzehntelang auszubaden.

Die Antwort auf meine eingangs gestellte Frage ist erschreckend einfach: weil sie die Lebenslüge durchschaut haben, mit der das System noch immer versucht, Menschen zu ködern. Alte Sicherheiten und Versprechen gelten längst nicht mehr, Wohlstand und Sozialstaat bröckeln, Umwelt und Klima sind am Arsch. Die sogenannte Generation Z (kurz Gen Z) soll die Versäumnisse der Generationen vor ihr ausbaden, die gelebt und gewirtschaftet haben, als gebe es kein Morgen. Dass immer mehr junge Menschen darüber frustriert sind? Verständlich. Was in Frankreich bei sogenannten „Schülerprotesten“ seinen Ursprung fand, scheint sich derzeit in Europa auszubreiten wie ein Flächenbrand. Brennende historische Gebäude, beschmierte Denkmäler und geplünderte Geschäfte sind die Kehrseite eines eigentlich guten und berechtigten Anliegens: mehr soziale Gerechtigkeit und ein System, das den Menschen dienen soll, nicht umgekehrt.

Wer in diesen Zeiten als Arbeitgeber noch immer über „emotionale Bindung zum Unternehmen“ schwafelt, hat den Schuss nicht gehört. Denn das würde bedeuten, ein bedingungsloser Apparatschik zu sein, der seine Träume hinten anstellt und sich dem Hamsterrad fügt, ohne die seelenverkaufende Maschinerie zu hinterfragen. Natürlich gibt es Menschen, die gerne ihrem Nine-to-five-Job frönen. Wer eigene Ziele hat, wird diese Form des geistigen Leerlaufs jedoch früher oder später in Zweifel ziehen. Immer mehr Junge erkennen, dass Lebenszeit gegen Geld ein verdammt schlechter Tausch ist. Besonders dann, wenn das erwirtschaftete Geld eigentlich nur noch dazu dient, sich den Weg in die Arbeit, die überteuerte Miete und etwas zu essen leisten zu können. Die vielbeschworene Sicherheit? Ein Boomer-Märchen, geboren aus dem rückwärtsgewandten Fiebertraum vom ewigen Wirtschaftswachstum.

Als Sahnehäubchen der Selbstherrlichkeit erlauben sich solche Systemprofiteure dann noch den Vorwurf, dass die jungen Leute zu wenige Kinder in die Welt setzen oder gar ganz darauf verzichten würden. Dieser unreflektierte Dünnschiss kommt ausgerechnet von jenen, die ein System bis aufs Blut verteidigen, in dem sich eine Familie kaum noch mit einem Einkommen ernähren lässt. Mit einem selbstgefälligen „Wir haben’s doch auch geschafft“ wird kurzerhand die Vergangenheit verklärt und ein Maßstab angelegt, der mit der heutigen Lebenswirklichkeit längst nichts mehr zu tun hat. Bekommt gefälligst Nachwuchs! Aber werft euren Säugling möglichst schnell in die Kita und rennt zurück ins Hamsterrad. Die Wirtschaft braucht schließlich Arbeitskräfte, keine Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern. Und während man den Sozialstaat nach und nach zusammenstreicht, wundert man sich über sinkende Geburtenzahlen. Wenn jemand unter diesen Umständen lieber auf Kinder verzichtet, folgt der Fingerzeig: Egoist! Dabei verkennen sie, dass das Problem nicht bei den Jungen liegt, sondern an einem kranken System, das Kinder fordert, aber Eltern keine Zeit für sie zugesteht.

Also geht auf die Straße und schreit euren Frust heraus. Das ist völlig in Ordnung. Mit der Beschädigung öffentlichen Eigentums schadet ihr euch allerdings nur selbst. Denn es gehört uns allen. Und auch mit dem Eigentum anderer sollte pfleglich umgegangen werden. Andernfalls belastet auch das nur wieder die Allgemeinheit und führt zu nichts. Palästina-, Regenbogen- und Kommunismusflaggen sowie Covid-Masken sollten ebenfalls zu Hause bleiben, denn sie verwässern das gute Ansinnen nur. Entzieht dem System die Grundlage, indem ihr einfach nicht mitmacht: weniger ist mehr. Weniger Konsum, mehr Freiheit. Weniger Abhängigkeit, mehr Selbstbestimmung. Alle vier Jahre ein Kreuz auf dem Wahlzettel machen? Bringt etwa so viel wie Randalieren. Nämlich erschreckend wenig. Die Menschen und die Farben wechseln vielleicht, aber die Stühle bleiben dieselben. Entzieht man dem System jedoch von innen heraus den Brennstoff, nämlich Menschen als Ressourcen, so zwingt man es langfristig in die Knie.

Nicht alles niederreißen, sondern aufhören, blind mitzumachen. Genau dann wird Umdenken von der grauen Theorie irgendwann zur Notwendigkeit.

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