Der Mann, der unbequeme Fragen stellte – ein Nachruf
Am 10. Januar 2026 verstarb Erich von Däniken im Alter von 90 Jahren. Mit ihm geht eine der bekanntesten und zugleich umstrittensten Figuren der modernen Grenzwissenschaften – ein Autor, der Generationen von Leserinnen und Lesern dazu brachte, die Vergangenheit nicht als abgeschlossene Erzählung zu betrachten, sondern als offenes Rätsel. Er gilt als Vater der Präastronautik. Kaum jemand sonst hat dieses Denken – und den Begriff – so stark geprägt. Niemand hat diese Idee so stark popularisiert wie er. Zeit, sein Lebenswerk zu würdigen.
Von Däniken war kein Wissenschaftler im klassischen Sinne, sondern ein Erzähler und Impulsgeber. Einer, der Fragen stellte, wo andere die Antworten längst für endgültig hielten.
Ein Lebenswerk zwischen Neugier und Widerspruch
Mit seinem 1968 erschienenen Buch Erinnerungen an die Zukunft wurde von Däniken weltweit bekannt. Darin formulierte er eine These, die später unter dem Begriff Präastronautik populär wurde: Die Idee, dass außerirdische Intelligenzen in vorgeschichtlicher Zeit mit der Menschheit in Kontakt gestanden haben könnten – und dabei Spuren in Mythen, Bauwerken und Überlieferungen hinterließen.
Diese These war von Beginn an umstritten. Doch unabhängig davon, ob man ihr zustimmt oder sie ablehnt, steht fest: Von Däniken traf einen Nerv. Seine Bücher wurden in dutzende Sprachen übersetzt, millionenfach verkauft und prägten die Popkultur ebenso wie das Genre der Mystery-Literatur.
Präastronautik: Behauptung oder Denkexperiment?
Von Däniken verstand seine Arbeiten stets weniger als dogmatische Wahrheiten denn als Einladung zum Denken. Seine zentrale Frage lautete nicht: So war es, sondern:
Was, wenn es anders gewesen sein könnte, als wir es uns heute erklären?
Die Präastronautik bewegt sich bewusst im Grenzbereich zwischen Archäologie, Mythologie und Spekulation. Kritiker warfen von Däniken vor, wissenschaftliche Lücken mit vorschnellen Deutungen zu füllen. Befürworter hielten dagegen, dass genau diese Lücken oft allzu bequem ignoriert würden.
Unbestreitbar ist: Von Däniken zwang den etablierten Diskurs dazu, sich mit ungewöhnlichen Fragen auseinanderzusetzen – selbst dann, wenn die Antwort am Ende „Nein“ lautete.
Zwischen Kritik und kulturellem Einfluss
Kaum ein Autor wurde so häufig kritisiert und zugleich so intensiv gelesen. Seine Thesen hielten wissenschaftlicher Überprüfung oft nicht stand, doch sein Einfluss reichte weit über akademische Debatten hinaus. Filme, Serien, Romane und Computerspiele griffen Motive auf, die ohne von Däniken kaum denkbar gewesen wären.
Er trug dazu bei, dass sich viele Menschen erstmals mit antiken Kulturen, alten Mythen und archäologischen Rätseln beschäftigten – selbst wenn sie später zu völlig anderen Schlüssen kamen als er.
Das Vermächtnis eines Fragestellers
Erich von Däniken war kein Prophet und kein Scharlatan, sondern ein Provokateur der Neugier. Einer, der den Mut hatte, einfache Erklärungen infrage zu stellen – und dafür jahrzehntelang Gegenwind in Kauf nahm.
Sein Vermächtnis liegt nicht in der Frage, ob er „recht hatte“, sondern darin, dass er zeigte, was wir aus Zweifel gewinnen können. In einer Zeit, in der Wissen oft als abgeschlossen präsentiert wird, erinnerte er daran, dass Fortschritt mit Fragen beginnt und Wissenschaft stets auch vom Diskurs lebt.
Mit seinem Tod endet ein außergewöhnliches Leben – doch das Staunen, das er geweckt hat, bleibt. Nun ist er selbst auf eine letzte Reise gegangen. Und wer weiß: Vielleicht führt sie dorthin, wo er gedanklich so oft unterwegs war – zu den Sternen. Mach’s gut, Erich.
